17 August 2015

Verzauberte Zeit – on tour

 

In der Hamburger Kunsthalle endete am Sonntag eine Wanderausstellung mit Bildern der Sammlung von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler aus der Villa Flora in Winterthur. Es gab über 200 Bilder, Grafiken und Plastiken zu sehen – u. a. Meisterwerke von Bonnard, Vuillard, Vallotton, Maillol, Hodler, Marquet, Matisse, Manguin, Rouault, Redon, van Gogh, Cézanne, Renoir, Manet ...
Die Sammlung entstand zwischen 1906 und 1936. Das Schweizer Ehepaar galt als fachkundige und leidenschaftliche Sammler und stand in intensivem Austausch mit einigen der Künstler. So haben sie vieles erworben, was zu ihrer Zeit geschaffen wurde, also quasi »Moderne Kunst«, und damals noch nicht in Museen hing.


Der Audioguide zur Ausstellung ist ganz wunderbar und wird von Hannelore Hoger gesprochen. Ich bin ja grundsätzlich ein Fan von Audioguides, weil man durch sie eine Ausstellung viel intensiver erleben kann und vom »Gesabbel der Anderen« gut abgeschirmt ist. Die Dokumentation »Villa Flora, Ihre Sammler, ihre Künstler« von Nathalie David zeigt Einblicke in die Villa und die Entstehung der Sammlung aus verschiedenen Perspektiven. Ich bin zweimal in die Ausstellung gegangen, da ich zuerst zu wenig Zeit eingeplant hatte. Schon der Rundgang dauerte 1,5 Stunden und der Film 78 Minuten (kann man aber auch als DVD kaufen).


Warum gucke ich mir solche alten Schinken eigentlich an???
Weil es ein großer Unterschied im Erleben ist, ob ich Kunst live sehe oder digital oder gedruckt. So vieles wirkt auf mich aktuell und modern. Die Künstler und Sammler erwachen zum Leben und erzählen mir von ihrer Zeit, ihrem Antrieb, ihren Verbindungen und Inspirationsquellen. Und so manches hat sich bis heute auch gar nicht groß verändert. Ich habe ein 102 Jahre altes Bild (La Blanche et la Noire) von Félix Vallotton gesehen, was mich in seiner Lebendigkeit förmlich angesprungen hat. Auch seine Holzschnitte wirken oft modern. Da hab ich mir vorgestellt wie jemand sie mit Doodles füllt, statt mit klassischen Mustern. In einer gut konzipierten Ausstellung fühle mich den abgebildeten Personen/Dingen/Orten sehr nah und gewinne Anregungen für Farbkombinationen und Inspirationen für eigene Arbeiten.
»Das Erlebnis der Kunst verändert den Blick auf die Wirklichkeit«.

In der Ausstellung sind auch zeitgenössische Bezüge zu Künstlern aus der Sammlung zu sehen. Ursula Pallas Videoinstallation »Sunflowers« bezieht sich auf van Goghs Sonnenblumen und Judith Alberts Video interpretiert Vallottons Bild »Nu à l'écharpe verte« mit einem auf der Künstlerin drappierten Tintenfisch, der zu atmen scheint (nichts für Vegetarier).

Auf der Website der Hamburger Kunsthalle könnt ihr ganz schön in die Ausstellung eintauchen.
Die nächsten Stationen sind Paris, Halle und Stuttgart.


Kommentare:

Aqually hat gesagt…

Vielen Dank Katja, das Du mich an Judith Alberts erinnert hast. Ich hatte mir die Künstlerin nicht notiert und den Namen leider nach der Ausstellung vergessen (das Alter??). Mit dem Projekt Tintenfisch auf Hüfte habe ich nämlich noch etwas vor ... ;-)

Katja Frauenkron hat gesagt…

Ja, das war faszinierend, so in Bewegung. Bin gespannt was du daraus machst :-)