16 Juli 2012

Gesso rocks!

Bevor Ihr Euch erstaunt am Kopf kratzt und fragt … ja, ich bin definitiv workshopsüchtig! Aber was gibt es auch Schöneres?

Mein letzter Workshop hieß "Schrift und Gesso-Techniken" und fand in der Künstlerkate in Krukow statt. Das liegt zwischen Geesthacht und Lauenburg. Das kleine Dorf war, zumindest den Autokennzeichen nach zu urteilen, fest in Hamburger Hand. Aber das ist man dort sicher gewohnt.
Ich hab mich gefreut bekannte Gesichter zu sehen (u.a. Hanna vom 2011er Pentiment mit Peter Thornton oder Kathrin aus Birgit Nass' Kurs) und neue kreative Geister zu erleben. Wir haben im hellen ehemaligen Stall gearbeitet und im schönen alten Garten Pausen gemacht und dort die Sachen zum Trocknen ausgelegt.

Gesso ist der Überbegriff für eine traditionelle Kreidegrundierung, mit der schon Mumiensärge vor der Bemalung versehen wurden und die Römer ihre Häuser verziert haben. Ein wunderbar vielfältiges Material. Wenn etwas noch nicht ganz so aussieht, wie man möchte, dann kommt einfach eine Schicht "Gesso des Vergessens" drüber (Zitat B. Nass). Wir haben mit 8 verschiedenen Sorten gearbeitet. Bisher kannte ich nur eine. Die Unterschiede sind extrem: es gibt ganz feines dünnes Gesso, festeres, cremiges, pastöses, graues mit Körnung, zarten Aquagrund, tiefschwarzes Gesso … und die ganz teuren Sorten … waren eingetrocknet, weil zu selten benutzt ;-)
Man kann es in Schichten auftragen und dazwischen Collagematerial und Farbe einarbeiten oder es einritzen oder auch nur hauchdünn auftragen um eine Farbschicht oder Schrift abzusoften. Es kann mit vielen Werkzeugen verarbeitet werden, z.B. Spachtel, Pinsel, Rolle und nach dem Trocknen dann beschrieben oder bemalt werden, auch in Nass-in-Nass-Technik. Oder man reibt Farbkreide ein, was die Strukturen betont und Tiefe verleiht. Wenn man möchte, dass sich die Farbe/Schrift im Gesso etwas löst, dann nimmt man wasserlösliche Tinte und Farben. Möchte man klare Schrift und Formen, nimmt man wasserfeste Tuschen und Farben. Die Möglichkeiten sind unendlich.

Jeder Teilnehmer hat sich an den beiden Workshop-Tagen mit nur einem Wort als Thema beschäftigt und seine Farbwelt darauf ausgerichtet. Mein Wort war "Sunshine", was an unserem regenreichen Juli im Norden liegen mag. Ganz ungewohnt für mich, hab ich eine gelb-orange-rosarote Farbwelt erkundet. Andere Themen waren Sylt, Berlin, Zeit, Stern, JA, Thank You, Worte …

Wir haben eine Schachtel aus dicker Graupappe mit schwerem Deckel gebaut und passend zu unseren Arbeiten eingekleidet. Auf 15x15 cm Pappen, Leinwänden und Malgründen haben wir frei mit den verschiedenen Techniken und Materialien experimentiert. Natürlich gab es wieder ganz viel nützlichen und inspirierenden Input von der wunderbaren Birgit Nass. Zum Schluss wanderten dann alle Werke und Materialproben in die schöne Box.

Sie steht jetzt hier auf meinem Kalligrafie-Tisch und möchte weiter gefüllt werden. Vielleicht schaff ich das vor dem nächsten Workshop im September ...

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