17 November 2005

Graphikdesign 1985

Vor 20 Jahren haben Grafiker ganz anders gearbeitet als heute.
Ich erzähle das mal in Kurzfassung.

Entwürfe:
Die ersten Scribbel zu einem Thema wurden oft schon beim Kunden auf dem Tisch grob angerissen.
Entwürfe wurden dann mit Markern oder Buntstiften gezeichnet oder mit Wasserfarben oder Acryl gemalt. Es wurde fotokopiert, collagiert, mit Reprokamera und Liesegang skaliert.
Schriften wurden von Letrasetbögen Buchstabe für Buchstabe abgerubbelt, mit Schablonen gezeichnet oder aus Typobüchern durchgepaust.
Stieß man mit einer Methode an eine Grenze experimentierte man mit einer anderen bis man umsetzen konnte was einem vorschwebte.

Reinzeichnungen:
Auf Karton wurde (möglichst im Format 1:1) das Motiv mit Hilfe von Ziehfeder, Tinte, Acrylfarbe und Rapidographen gezeichnet, wobei die Zunge massiv gerade gehalten werden mußte, was auf Dauer ziemlich anstrengend war.
Alle Bestandteile der Reinzeichnung mußten schwarz auf weiß sein.
Repros oder auch gute Kopien wurden mit Fixogum oder Wachs zusammenmontiert.
Der Text mußte bei einem Satzstudio mit den exakten Angaben von Schriftschnitt, Schriftgrad, Zeilenabstand, Absatzbreite und -höhe bestellt werden. Das hat man vorher mit Hilfe eines Typometers und Schriftmusterbüchern genau berechnet.
Wenn der Satz dann fertig war konnte er einmontiert werden.
Schwarzweißfotos hat man unter der Reprokamera in der gewünschten Größe gerastert (oder rastern lassen); bei Farbbildern wurde auf einem Transparentpapier der genaue Stand eingezeichnet und die Skalierung errechnet, so daß der Lithograph in der Druckerei das Bild später richtig einbauen konnte.
Mehrere Lagen Transparentpapier wurden auf den Karton geklebt, jede mit verschiedenen drucktechnischen Angaben wie Farbauszeichnung, Skalierungswerte u.ä. Bei Vollfarbtönen (Pantone, HKS...) klebte man u.U. Farbmuster auf.
Die Reinzeichnung bekam dann zum Schutz noch einen Kartondeckel und wurde in die Druckerei gegeben, wo man dann mit dem Lithographen alles genau durchsprach um Mißverständnisse zu verhindern. Dann wurden die Lithofilme erstellt, für jede Farbe eine, für Prägungen o.ä. Effekte noch zusätzliche.
Die Filme wurden dann nochmal kontrolliert und kleine Fehler retuschiert oder ausgekratzt.
Dann folgte der Andruck, eine weitere Kontrolle und dann endlich der Druck.

Mit dieser Methode habe ich im Monat damals maximal 2-3 Plakate geschafft...

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