02 Mai 2016

Ein Frakturschriftzug für Gesa

 
Gesa ist Lektorin und mag alten Kram. Gesakram.
Sie hat Skandinavistik, Germanistik und Anglistik, jeweils mit Schwerpunkt Mediävistik studiert. Alte Handschriften spielen dabei auch immer wieder eine Rolle. Da lag es nahe, dass sie von mir einen passenden kalligrafischen Schriftzug in Frakturschrift bekommt und ein alleinstehendes G als Symbol.
Ich hatte aber zuerst die verschiedensten Gs ausprobiert bis wir uns dann auf die Fraktur eingestimmt haben.


Im ausgewählten Schriftzug hatte ich zuerst ein moderneres s verwendet, damit es für jeden lesbar ist. Gesa hat aber vermutlich Recht mit der Annahme, dass ihre Klientel weiß, dass unser heutiges s in alten Schriften nur am Ende eines Wortes stehen darf. Ansonsten ist das lange s richtig.


Getroffen, besprochen, recherchiert, geschrieben und gezeichnet, gescannt, verändert, besprochen, geschrieben, verfeinert, bejubelt.


Hier sind einige Etappen meiner Arbeit für gesakram zu sehen.

18 März 2016

Verschmäht und unveröffentlicht

 
Es gehört zum Gestaltungsalltag dazu: Unzählige unserer Entwürfe landen aus verschiedenen Gründen im Müll. Sie werden abgelehnt, aussortiert, nicht gebraucht.

Ich habe eine große Bitte (vor allem an frische Gestalter) -> Nehmt - es - auf - KEINEN - Fall - persönlich.
Ihr seid nicht eure Arbeit!

Wer sein Designer-Ego in dieser Hinsicht etwas aufbauen möchte liest am besten Bücher wie »Kreativität aushalten – Psychologie für Designer«, »Kreativität und Selbstvertrauen«, »Egal, was du denkst, denk das Gegenteil«, »Der Weg des Künstlers« usw.

Ich hab mir im Laufe der Zeit ein sehr dickes Fell antrainiert, wirke dadurch vielleicht schon gleichgültig. Dabei bin ich einfach im Kopf schon beim nächsten Projekt und hake es schnell ab, fühle mich nicht verletzt wie ein verkannter Künstler.
Kein guter Entwurf ist umsonst entstanden. Die Erfahrung, das Konzept oder Fragmente der Gestaltung sind bestimmt später noch nützlich.

Das hier sind aktuelle Plakatentwürfe zu einer Ausstellung, die nicht genommen wurden. Ich mag sie und deshalb zeig ich sie euch. Aus meiner comicartigen Illustration einer antiken Frauenfigur entstand nebenbei ein Muster, das z. B. für den Einsatz auf Merchandisingartikeln gedacht war.

08 März 2016

Kalligrafie auf Stoff

 

Ich hatte den Auftrag die Stationen einer Weltreise auf Stoff zu schreiben. Dafür waren einige Vorbereitungen nötig, die sich vom Schreiben auf Papier unterscheiden.
Am besten macht man auf einem Reststück des Stoffes vorher Versuche um herauszufinden welche Farbe und welches Werkzeug gut funktionieren.


Der Stoff muss gewaschen und gebügelt sein und mit Klebeband so fest auf einem Untergrund fixiert werden, dass er sich beim Beschreiben nicht bewegt. Auf Papier hab ich die unterschiedlich langen Worte als grobes Layout angeordnet und dann auf dem Stoff mit dünnen Bleistiftlinien die Positionen markiert. So verhindere ich, dass der Platz nicht ausreicht oder Löcher entstehen.
Da die Schrift recht zart sein sollte habe ich nicht mit Pinsel, sondern mit einer feinen Feder geschrieben. Um ein deckendes Weiß zu erreichen musste ich die Acrylfarbe teilweise mehrmals auftragen.


Als alles trocken war habe ich die Bleistiftlinien mit Knetgummi entfernt und den Stoff gebügelt um die Schrift zu fixieren. Meine Kundin wird den Stoff an einen größeren Quilt annähen, der ihre Weltreise abstrakt darstellt. Ich bin sehr auf das fertige Werk gespannt.

01 Februar 2016

Polarlichter in Hamburg

 
Wollt ihr eintauchen in die beeindruckende Welt dieses farbenfrohen Himmelsereignisses … ganz ohne kalte Füße zu bekommen?

Bis zum 27. Februar habt ihr noch Gelegenheit die Ausstellung "Flammender Himmel – Faszinierende Polarlichter über Norwegen" im Levantehaus Hamburg zu besuchen. Es ist eine Ausstellung des Planetarium Hamburg und ich durfte dafür alle Tafeln gestalten.


Im Erdgeschoss kann man viel lernen u. a. über die Entstehung der Polarlichter, wie man sie fotografiert, wann sie auftauchen, was die Sonne damit zu tun hat – und bewegende Projektionen ansehen. Und im Obergeschoss hängen große Motive mit wunderschönen Aufnahmen verschiedener Fotografen, die teilweise sehr aktuell sind.


Die Gestaltung mit so tollem Material hat natürlich Spaß gemacht – trotz der einen oder anderen Nachtschicht. Und meine Lust das Schauspiel mal selbst zu erleben ist weiter gewachsen. Wer also eine Hurtigrutenreise zu verschenken hat, melde sich bitte bei mir :-)


Nach der Wiedereröffnung des Planetariums 2017 steht auch die Show »Flammender Himmel« wieder auf dem Programm. Sehenswert.

 

25 Januar 2016

Gewebtes Papier

 
Ich hab vor kurzem ein Buch für einen speziellen Menschen gemacht – sie liebt Pink. Der Einband ist aus festem Karton in den ich Schlitze geschnitten habe um Schmierpapierstreifen einzuflechten. Den Rücken habe ich zusätzlich verstärkt, damit die Fadenheftung mit den Lagen aus Vorsatzpapier gut hält.
Zum Lochen habe ich mir eine Schablone gemacht, denn nur so trifft die Lochung im Buchrücken genau die Lochung in den Lagen, besonders wenn sie wandert – wie es hier bei diesem Buch der Fall ist – ist das nützlich.

Innen hab ich schon ein paar Bilder und Kritzeleien eingebaut. Das ist eigentlich nur ein Trick, denn in frische jungfräuliche Blankobücher traut sich meist keiner reinzuschreiben. Aber Bücher sind dazu da benutzt zu werden, erst dadurch leben sie.



20 Januar 2016

Dem ¡WOW! auf der Spur ...

 
Kalligrafie kann wirklich sehr langweilig sein. Oft hat sie auch so ein Image: Assoziationen von schnörkeliger Schreibschrift, Sütterlin auf Karopapier, bemühten Versuchen schön zu schreiben – gähn …
Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, umso schärfer wird mein Blick für wirklich gute, aufregende, spektakuläre Arbeiten. Und wie so oft: in dem, was besonders leicht und lässig aussieht, steckt meist viel Arbeit und ganz viel Übung.
Kalligrafie steht niemals still, die Bewegung entwickelt sich stetig und wird von kreativen Freigeistern – Graffiti-Künstlern, Steinbildhauern, Holzschnitzern, Grafik-Cracks, Spielkindern, Pinselschwingern, Buch-, Papier- oder Textilkünstlern, Kalli-Punks – weiterentwickelt. Ich hab für euch einige weiterführende Links zusammengestellt. Geht auf Entdeckungsreise und lasst euch inspirieren.



Sehr spannend fand ich im Sommer 2015 eine Ausstellung in der Hamburger Galerie Affenfaust: Dort waren durch die Initiative des Künstlers Jan Koke einige der umwerfenden "Calligraffiti-Ambassadors" vereint. Wie das Wort Calligraffiti nahelegt, versteht man darunter die Kombination von Graffiti und Kalligrafie. Der Vater der Bewegung ist der Niederländer Niels "Shoe" Meulman. Seine Arbeiten sind wild und klar zugleich. Lesbarkeit? Wen interessiert's.



Künstler & Portfolios:
Calligraffiti
Luca Barcellona
Sigrid Artmann
Adam Romuald Klodecki 'Theosone'
Anaroop Kerketta
Jan Koke
Pokras Lampas
Warios
Jonas Sunset
Jasper6000
Samy Amar

Bücher:
Street Fonts
Calligraffiti

Film:
Peter Greenaway "Die Bettlektüre"

14 Dezember 2015

Was machst du gerade? (07)

  … frage ich die wunderbaren Menschen in meinem Netzwerk.

Heute ist das Carolin Adler, Yogalehrerin, Kommunikatorin, Weltreisende, Mama und kreative Entdeckerin, Hamburg.



Was machst du gerade?
»Ich sitze am Rechner, trinke koffeinfreien Soja Latte Macchiato (Achtung, Klischee :-), den mir der weltbeste Mann der Welt vorbeigebracht hat und plane die ersten Yoga-Aktivitäten für 2016. Für meine Aerial Yogis gibt es wieder tolle Wochenkurse und ein paar wunderbare Specials wie Aerial Flow Yoga (fließendes Yoga im Tuch) und Aerial Yin Yoga. Hier hängt das sonst hüfthohe Tuch knapp über der Bodenmatte. Mit schwingenden, gyro-kinetischen und langen passiv gehaltenen Übungen erreichen wir die tiefen Schichten des Körpers. Eine tolle Erfahrung.
Als Pressesprecherin schreibe ich grad am Lagebericht meiner Firma. In meinen Sporteinheiten neben Yoga probier ich mich derzeit durch eine Variation an Funktional Fitness – diese Woche schon TRX, High Impact Training und Powerplate. Ansonsten bereite ich die Weihnachtszeit mit den Kindern vor und genieße die Adventszeit, die ich in diesem Jahr entschlackt habe. Zeit für das Wesentliche haben, Besinnung und Meditation sollen wieder mehr Raum bekommen, genauso wie die Rituale mit den Kindern.«

Warum bist du Yogalehrerin?
»Yoga ist meine Energiequelle – und das seit fast 16 Jahren. Yoga gibt mir Kraft, Flexibilität, Gelassenheit, Ausgeglichenheit und Energie in meinem Leben und gehört mittlerweile zu mir wie die Luft zum Atmen. In meinem bewegten Leben ist Yoga mein Ruhepol und meine tägliche Auszeit. Meine morgendliche »Aus«Zeit ist mir über die Jahre immer wichtiger geworden. Yoga hat mein Leben verändert und verbessert. Die Körperhaltung verändert sich durch die Yoga-Asanas, der Geist und die innere Einstellung verändern sich durch Yoga, Meditation und positives Denken. Mein Zuhause ist traditionelles Sivananda Yoga; Aerial Yoga ist später als zweite Leidenschaft hinzugekommen.
Nach vielen Stunden auf meiner Matte und Jahren von Yoga-Praxis wollte ich diesen Weg auch für andere öffnen und Yoga als Lehrerin weitergeben. Das macht mir ausgesprochen viel Spaß. Auch ich lerne dabei immer wieder Neues – am häufigsten übrigens in den Kinderyogastunden, die ich in meiner Elternzeit ehrenamtlich am Kindergarten gegeben habe.
Ich freue mich sehr, wenn meine Kursteilnehmer sichtliche Fortschritte machen – ganz besonders für sie. Und am meisten liebe ich diesen Moment, wenn meine Kursteilnehmer aus der Entspannung wieder auftauchen und so wunderbar von innen strahlen.«

Was bewegt dich?
»Oh, eine Menge. Die Dinge der Kinder natürlich. Grad geht es um die Schulwahl für den Großen. Keine leichte Entscheidung und definitiv eine Aufgabe für mich, an meinen inneren Einstellungen zu arbeiten - insbesondere gegenüber dem deutschen Schulsystem :-) Aber dazu habe ich jetzt ja noch die nächsten 15 bis 16 Jahre wiederholt Zeit. Dann freu ich mich auf Weihnachten mit der ganzen, großen Familie. Ich plane Urlaube und Auszeiten für 2016, Blogbeiträge, Yogadinge, Fortbildungen und vieles mehr. Langweilig wird es hier zumindest nie, dafür sorgen schon die Kombi aus meinem Vollzeitjob als Pressesprecherin, Mama-Dasein und Yogalehrerin. Und das ist gut so!«

Wo kann ich dich finden?
Beim Yoga: www.yogimi.de und www.aerialyinyoga.de
Beim Bloggen: www.ganzheitlichleben.wordpress.com
Und Beruflich: www.xing.com/profile/Carolin_Adler

27 November 2015

Weihnachtsmarktsaison

 
Auf nach Frankfurt Höchst! – Warum?
Weil es an diesem Wochenende einen sehr schönen Weihnachtsmarkt auf dem Höchster Schlossplatz gibt und den 7. Höchster Designparcours. Außerdem könnt ihr in der Galerie am Schlossplatz 9 die Werke von 8 Künstlern bestaunen und erwerben – u. a. auch meine Weihnachtskarten, Geburtstagskalender, Keramik & Co.
Die Karten könnt ihr hier sehen.

22 November 2015

Heute wird's persönlich.

 

Vor genau einem Jahr hatte ich einen kleinen Unfall mit Folgen. Die Beeinträchtigungen wurden schnell auf die Gehirnerschütterung geschoben. Schwindel, Zittern, Kopfschmerzen, Sprachstörungen, Schlafstörungen, Hitzewallung, geschwollene Augen, Sehstörungen, Probleme beim Treppensteigen, Gewichtsabnahme ... Und ich hab einfach ganz "normal" weitergemacht: diverse dringende Jobs erledigt, die Bude geschrubbt, den Haushalt geschmissen, tonnenweise Plätzchen gebacken, den Garten winterfest gemacht, Kurse besucht, Orgatreffen absolviert, Großeinkauf, Weihnachtsdeko angebracht, eine kleine Feier durchgezogen, bei einem Umzug geholfen und in der alten Wohnung gestrichen, Steuererklärung, Spieleabend, Hühnerstall gesäubert, getöpfert, genetzwerkt, Weihnachtskarten verkauft … ist ja alles SO wichtig. 


Als meine Beschwerden nicht nachließen, ich war fast arbeitsunfähig, wurde mir – beim 3. Arztbesuch und erst nach 3 Wochen – endlich Blut abgenommen. Und dann ging alles ganz schnell: ein Anruf und ein Termin bei einer Nuklearmedizinerin. Das klingt ja schonmal ziemlich wild. Aber dann wusste ich endlich was los ist, wie gefährlich es ist und auch dass es dagegen Tabletten und andere Maßnahmen gibt. Das war für mich erlösend, aber auch beängstigend. 1 Jahr lang würde es mindestens dauern. So ist es auch. Im Januar werden die Tabletten versuchsweise abgesetzt und die Chancen stehen ganz gut, dass es das dann war.


Diese Sache hat mein Leben sehr verändert. Ich wusste immer, dass ich zuviel mache, das hat mich aber nie davon abgehalten. Der Unfall und die Folgen haben nun nachhaltig etwas Gutes bewirkt. Ich stehe bei mir seitdem wirklich und tatsächlich an erster Stelle. Das war vorher nicht so. Ich mache weniger und das bewusster. Pausen, Urlaub und Yoga sind wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden. Ich passe auf mich auf. Und ich kann jetzt viel besser Nein sagen. Endlich.
Deshalb ist der 22. November für mich ein ganz besonderes Datum.

Mein wunderbares Netzwerk, meine Freunde und Familie haben mich sehr unterstützt. Ich danke euch! Die Craniosacralbehandlungen bei Alexandra Scheper und Vivian Kolbe haben kleine Wunder bewirkt. Durch die homöopathische Unterstützung von Astrid Fischer konnte ich nach einigen Monaten wieder in den Spiegel gucken. Und die Schilddrüsenliteratur von Irene Gronegger hat mir wirklich vieles erklärt.

Aufmerksame Blogleser werden sich jetzt an mein Zigarrenkisten-Projekt vom Januar erinnern. Darin hab ich mich künstlerisch mit dem Unfall und den Folgen auseinandergesetzt. Ich bin sehr dankbar, dass meine kreative Energie nie nachlässt. Eine kreative Blockade hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Ein großes Geschenk.

 Ihr Lieben: bleibt gesund!

16 November 2015

So entstehen kalligrafische Weihnachtskarten

 
Auch in diesem Jahr gibt es wieder neue Weihnachtskarten von der Deichgrafikerin – op Platt. Wie sind sie entstanden? Ich führe euch durch die verschiedenen Schritte der Gestaltung.


Zuerst war da die Idee für Inhalt, Text und Layout, die ich in meinem Skizzenbuch vor ein paar Wochen festgehalten hatte. Ein Rundsatz mit 3 Zeilen war mein Wunsch, geschrieben in schmaler Fraktur. Er sollte später in weiß auf farbigem Hintergrund stehen.


Erstmal hab ich grobe Entwürfe mit Bleistift auf Transparentpapier gemacht. Dabei sollte der Text nicht mitten in der Zeile getrennt werden, sondern sinnvoll Runde für Runde. Mit unterschiedlichen Federstärken und variierender Schriftgröße hat man da einigen Spielraum. Das Layout habe ich ungefähr doppelt so groß gemacht, wie ich es auf der Postkarte haben wollte. Mit verschiedenen Speedball-C-Federn habe ich die passende Schriftgröße für jede Runde ausprobiert und gemessen.



Den Stand der Wörter hab ich dann auf 300g/qm Aquarellkarton übertragen (z. B. den hier). Dafür hab ich mit dem Zirkel Kreise gezogen für die vorher ermittelte Grundlinie und die x-Linie der Schrift. Den Ober- und Unterlängen wollte ich Spielraum lassen, je nachdem wo sie später stehen und wie es dann schön aussieht.

Zum Schreiben habe ich dunkle Rohrer und Klingner Schreibtinte genommen, weil die schön präzise Kanten macht. Dann tief durchatmen und konzentriert schreiben. Nach dem 2. Versuch sah es für mich schon ganz stimmig aus.


Ich hab die Bleistiftlinien wegradiert und es eingescannt. In Photoshop habe ich den Kontrast stark angehoben und ein schwarz-weißes Bitmap-Tiff erzeugt. Eine Vektorgrafik zu erstellen ist für diesen Collage-Zweck nicht nötig. In InDesign habe ich dann den Rundsatz weiß gefärbt und auf den unterschiedlichen weihnachtlichen Fotohintergründen ausprobiert. Da ich viel fotografiere habe ich ein gutes Archiv geeigneter Motive für alle möglichen Zwecke. Diese hier sind Makro-Aufnahmen von Ausschnitten aus meinen Collagen und von Tintenflächen mit Salzkristallen.
Die Fusion der Elemente zu einem Layout geht natürlich auch in anderen Programmen, aber da ich keine Filter oder sonstige Effekte und Feinheiten einsetzen wollte, war für mich ein Layoutprogramm passender – aber da hat jeder seine Vorlieben.


Zwar wollte ich ursprünglich nur eine Karte machen, aber ich fand dann 3 Motive so schön, dass ich sie als Karten mit gerundeten Ecken habe drucken lassen. Es steht ja kein Jahr auf den Karten, so kann ich sie länger verwenden. Die Rückseiten sind auch gestaltet, aber so dezent, dass noch genug Platz zum Beschreiben bleibt.


Nach ein paar Tagen waren sie schon bei mir und jetzt kann man sie im Shop von the flap of a seagull's wing kaufen. Natürlich nur jetzt in der Saison.
Ho Ho Ho!

09 November 2015

Zirkelkasten-Upcycling

 
Ich hab's wieder mal getan – einen spannenden Workshop besucht.
Im »Zirkelkastenbuch-Kurs« mit Birgit Nass, Ireen Kranz und Marí Bohley haben wir 3 Tage lang in Lauenburg alte Zirkelkästen geleert, auseinandergenommen, repariert und mit viel Liebe in wunderschöne Buchunikate verwandelt.


Es sind hierbei sehr viele Arbeitsschritte nötig, vor allem für den kleinen leinenbezogenen Kastendeckel, der die Utensilien, die anstelle der Zirkel in den samtenen Kasten kommen, mit einem Magnetverschluss vor dem Herausfallen schützt. Buchbinderin Ireen hat uns in kleinen Gruppen und kleinen Lernhäppchen durch diese komplexe Arbeit geführt. Mit ihr hatte ich bisher noch nicht gearbeitet und ihre Art zu arbeiten und zu unterrichten hat mir sehr gut gefallen.



Da jeder Kasten ein anders Format hatte, musste viel gemessen und überlegt und natürlich sehr genau gearbeitet werden. Dafür wurde sogar Graupappe nach dem Kleben geschmirgelt. Aber auch gröberes Werkzeug, wie Tacker und Stechbeitel, kamen zum Einsatz. Der Buchrücken muss sehr stabil sein, da es ein dickes, schweres Buch ist. Kleine Löcher zum Einnähen der Seiten wurden gestanzt – genau die richtige Anzahl an den richtigen Platz.



Zum Zirkelkastenformat passend haben wir einen Buchblock geschnitten und gestaltet. Da es im Kursraum der Zündholzfabrik so viele Werkzeuge gab, konnten wir mitgebrachtes und vorhandenes Material prägen, stanzen, bedrucken, bestempeln, collagieren, beschreiben, bemalen. Und dann wurden die Lagen mit dem passenden Zwirn oder Gummiband in den Bucheinband eingesetzt.



Ich habe ein kleines dickes Buch in rot-schwarz-creme gestaltet. Es hat kein Thema, aber viele freie Seiten und nur ein paar Bilder aus alten Zeitungen. Das ist mein praktisches Buch.
Und dann hab ich noch ein großes etwas dünneres Buch in grau-schwarz-creme gestaltet. Es ist mehr eine Art Buchkunstobjekt und es dreht sich darin – in Erinnerung an das, was der Kasten früher  beherbergte – um das Thema "kreisrund". Darin sind Punkte, Kreise, Sternkarten, runde Seekartenausschnitte, Löcher und in einer rundlichen Schrift (Unziale) Texte, die von Rundem handeln.

Die Kästen haben wir übrigens bei Ebay oder auf Flohmärkten gefunden. Auch wenn es erstmal Überwindung kostete sie zu sezieren (ähnlich wie beim Insel-Buch), so haben wir ihnen doch neues Leben eingehaucht und ich bin sicher, sie wären sonst ziemlich bald im Müll gelandet. Jetzt werden sie bewundert, benutzt und geschätzt.


Ein toller Kurs voller Inspiration und Know-how. Danke an Ireen, Birgit und Marí für eure tollen Ideen, den Spaß und das Wissen, was ihr uns immer wieder vermittelt.

22 Oktober 2015

Ergonomie im Sitzen und Stehen

  Jeder weiß, wie wichtig es ist richtig zu sitzen, wenn man den ganzen Tag am Schreibtisch arbeitet. Ich habe verschiedene Stühle, die ich wechsle. Einen HÅG Capisco und einen Balance Kniesitz. Getestet hatte ich mal den Swopper und Sitzbälle, aber das ist nichts für mich, da hoppel ich dann herum und habe keine ruhige Hand.

Sitzen ist das eine, aber was ist eigentlich mit Stehen? Ich wollte schon lange gern im Stehen arbeiten, hatte aber neben meinem großen Schreibtisch keinen Platz für einen zusätzlichen Tisch.
Im September hörte ich aus meinem Netzwerk über twitter von der Möglichkeit einen höhenverstellbaren Schreibtischaufsatz von Varidesk für 4 Wochen zu testen und habe mich gleich mal angemeldet für das Modell Pro Plus 36.
Einige Tage später war ein recht unhandliches ca. 25 kg schweres Paket da. Sich Hilfe beim Aufstellen zu holen ist sinnvoll. Da der Aufsatz komplett montiert ist kann man aber auch gleich loslegen.



Tag 1:
Im Sitzen erscheint mir der Monitor etwas zu hoch und ich muss ein anderes Mousepad nehmen, mein gepolstertes passt nicht, aber der Handknöchel schmerzt abends.
Lustig: vom Stehen tun mir die Füße weh (barfuss auf hartem Boden). Der Varidesk ist erstaunlich stabil, es wackelt nichts im ausgefahrenen Zustand. Die Oberfläche und die Rundungen gefallen mir.
Hatte heute viel Bewegung in der Wirbelsäule und hab sehr gut gearbeitet. Positiver Gesamteindruck.

Tag 2:
Der Kater sitzt nicht mehr auf meiner Tastatur, Hurra! Der unbekannte hohe Tisch erscheint ihm nicht geheuer zu sein.

Tag 3:
Die Höhe im Sitzen und Stehen ist jetzt wunderbar … ich liebäugle schon mit der Idee den Varidesk zu kaufen. Lässt sich super einfach verstellen.

Tag 4:
6 Stunden problemlos gestanden, brauche gar nicht sitzen und eine weiche Decke unter den Füßen ist eine gute Idee.

Tag 5:
Nach Yoga und Einkaufen ist mir heute mehr nach Sitzen.

Tag 6:
Der Kater traut sich inzwischen doch auf den Tisch und sitzt auf der Tastabbbbbbbbbbbbnnnnnnnnnnnnnnnmmmm,,,,,,,,

Tag 7:
Ich habe beschlossen den Aufsatz zu behalten. Der Nacken ist überhaupt nicht mehr verspannt und ich arbeite bemerkenswert konzentriert im Stehen.



Tag 8:
Büro umgeräumt um Tisch nicht in der Mitte zu haben, weil mich das optisch stört. Und der Aufsatz passt perfekt auf die Planschränke. Dafür hab ich meinen großen Holztisch zentral im Raum und alles andere an den Wänden. Und dann hab ich die Gelegenheit gleich genutzt und tonnenweise Bücher und Papierkram aussortiert.

Tag 9:
Weiter um- und aufgeräumt. Mein Büro wirkt jetzt ruhig, klar und kommunikativ.

Tag 10:
Erster Arbeitstag nach dem Umräumen. Teilweise stehend, teilweise sitzend. Ein neues passendes Mousepad muss her.



Tag 11:
Die Heizsaison hat begonnen und der Kater schnurrt jetzt in seiner Hängematte \o/



Fazit nach 4 Wochen: im Stehen zu arbeiten tut mir und meinem Rücken sehr gut. Dieser flexible Schreibtischaufsatz ist wirklich eine gute Idee für Menschen, die viel am Computer arbeiten. Von mir gibt es 10 von 10 Punkten.
Es gibt übrigens ganz unterschiedliche Modelle, je nachdem wieviele Monitore ihr habt oder wie groß sie sind. Guckt mal hier.

28 September 2015

Durch Schloss Ahrensburg rascheln


Nach über 40 Jahren habe ich endlich mal wieder das Schloss Ahrensburg besucht. Ihr kennt das Wasserschloss nördlich von Hamburg vermutlich als Drehort aus den wunderbar schrägen Edgar-Wallace-Verfilmungen.

Wir hatten eine interessante Führung mit einer Dame im detailgetreuen Barockgewand (so in der Art der Robe á la Française) – keine Knöpfe, Reißverschlüsse oder Klettbänder, alles wurde gesteckt, geschnürt und genäht. Zum Waschen wird sogar die Spitze vom Unterhemd getrennt und danach wieder angenäht, genauso wie es früher gemacht wurde. Sie in diesem authentischen raschelnden Seidenkleid durch die Räume wandeln zu sehen, war schon ein Erlebnis. Ihr Fachwissen über Bräuche und die Geschichte seit dem 16. Jahrhundert machte diese Führung sehr lebendig und war auch für die Kinder spannend, die immer wieder pädagogisch-wirksam mit einbezogen wurden.


Leider waren an dem Tag nur ein paar Räume zu besichtigen, da die Restaurationsarbeiten noch andauern. Aber das was ich sah hat mir sehr gut gefallen und ich werde im Dezember nochmal einen ausführlichen Besuch machen.
Die Ursprünge des Guts stammen aus dem 16. Jahrhundert und es gab seitdem immer wieder große und kleinere Veränderungen. Interessant: Teile des Stucks wurden direkt an die Decke modelliert und nicht schon als komplett vorbereitete Gipsteile angebracht. Eine Küche gab es nicht im Haus, man hatte früher Kochhäuser wegen der Brandgefahr, d.h. das Essen kam dann lauwarm auf die Tafel.

Es gibt im Schloss wunderschöne Gemälde und Möbel, und Treppen, Fenster, Schnitzereien und Wandverkleidungen aus dunklem Holz. Eigentlich ist es ja nur ein Landgut und kein wirkliches Schloss, aber es macht schon sehr viel her – definitiv empfehlenswert für einen Besuch mit (Audio-) Führung.
Hier sind alle Infos zum Museum und den Veranstaltungen zu finden: www.schloss-ahrensburg.de

21 September 2015

Was machst du gerade? (06)

  … frage ich die wunderbaren Menschen in meinem Netzwerk.

Heute ist das Rainer Klute, Mitdenker und Kommunikationsdesigner, Vernetzer, Organisator, Hamburg.



Was machst du gerade?
»Ich schreibe gerade den Gastbeitrag für Dein Blog, Katja. ;-)
Ansonsten steht eine Patchwork-Woche vor mir, heute zum Beispiel: Eine Reihe Broschüren und Faltblätter druckfertig machen, an drei Websites arbeiten, die Finanzierung einer Veranstaltung voranbringen und das Treffen der »InDesign User Group Hamburg« am Donnerstag vorbereiten. Ich bin noch unsicher, ob ich eher ein paar »Tipps & Tricks« zeigen  oder auf den Workflow zwischen Word und InDesign eingehen werde. Und dann bin ich ja auch noch Vater und begleite meinen Sohn am Spätnachmittag durch die halbe Stadt zur HipHop Academy, wo er gerade Beatboxing lernt.«

Warum bist du Kommunikationsdesigner?
»Bin ich das? Mich beschäftigt momentan sehr das Berufsbild des »Designers«. Wenn in der (Medien-)Öffentlichkeit von Designern die Rede ist, sind meist Produkt- oder Modedesigner gemeint. Grafik- oder Kommunikationsdesign wird von vielen als Hübschmachen verstanden – was meiner Meinung nach viel zu kurz greift. Gutes Design ist mehr als Design, hat mal ein kluger Mensch gesagt. Je früher wir (guten) Kommunikationsdesigner in einen Prozess mit einbezogen werden, desto bessere Ergebnisse kommen in der Regel am Ende zustande.
Da ich nicht als Hübschmacher angesehen werden will, gibt es zwei Möglichkeiten: sich vom Begriff des Designers lösen oder den Begriff inhaltlich neu »aufladen«. Beides schwierig. Mein momentaner Kompromiss ist meine Berufsbezeichnung als »Mitdenker und Kommunikationsdesigner«.
Angefangen hat das alles vor einiger Zeit mit der Erkenntnis, dass Journalist doch nicht der richtige Beruf für mich ist: Texte schreiben fand ich nicht so spannend wie die Gestaltung der jeweiligen Publikation. Dass ich »Quereinsteiger« bin, empfinde ich wegen des oben zitierten Ansatzes (»…mehr als Design«) als Vorteil: Von meinen Studienfächern Geschichte, BWL und Psychologie profitiere ich – zusammen mit meiner Freude am Texten – bis heute, und damit auch meine Auftraggeber.«
 
Was bewegt dich?
»Eigentlich habe ich das ja bei der letzten Frage schon beantwortet. Vielleicht noch ein Literaturtipp dazu: Frank Wagner hat mit »Value of Design« ein gutes Buch zu dem Thema geschrieben.
Darüber hinaus stelle ich fest, dass mir momentan das Konzipieren und Organisieren von Veranstaltungen für Designer, das Vernetzen und das Beraten große Freude macht – mir fehlt nur noch das tragende Businessmodell dafür. :-) In diese Richtung geht auch, dass ich Organisator der InDesign User Group Hamburg bin und auch die PUBKON – die InDesign- und Publishing-Konferenz mit organisiere (Bitte Daumen drücken, dass die Finanzierung für 2016 klappt).
Bei der Gestaltung inspirieren mich vor allem skandinavische Designer. Ja, auch im Kommunikationsdesign gibt es skandinavisches Design; auch das ist klar, strukturiert, freundlich und entspannt. Und das gilt auch für die (Werbe-)Texte.
Und ich finde es ausgesprochen anregend, als »Sparringspartner« zu fungieren, mich also mit Menschen zu treffen, die beruflich mitunter etwas ganz anderes machen, und gemeinsam an deren oder ganz neuen Ideen zu arbeiten.«

Wo kann ich dich finden?
»Wie so oft bei uns Designern ist die eigene Website nicht die beste/aktuellste. Da bildet mein Webauftritt leider keine Ausnahme (ja, eine schwedische Domain. Wer oben aufmerksam gelesen hat, weiß warum.)
Im meinem Blog schreibe ich über Kommunikation, Design und Schweden. Und manchmal auch in der Kombination von allen dreien.
Bei Twitter finde ich Inspiration und Information. Kann ich jedem nur empfehlen! Niemand muss dort selber etwas schreiben, allein bei anderen »zuzuhören« lohnt sich. Meine Tweets drehen sich wie mein Blog meist um Kommunikation, Design und/oder Schweden.
Und hier ist noch die InDesign User Group Hamburg und die PUBKON-Website

Zur Klarstellung – insbesondere für alle Journalisten, die gerne mal schlecht recherchiert bei mir anklopfen – noch der Hinweis, dass es noch einen Rainer Klute gibt, der sich aber vor allem um Kernenergie kümmert.« 

Foto: © Susann Jakob

17 September 2015

Ich zeichne, also bin ich.

 
Ein herrlicher Urlaub liegt hinter mir. Und viele Seiten im Skizzenbuch haben sich unter südlicher Sonne gefüllt. Hier sind ein paar Beispiele.
Mein Equipment hat der Security am Flughafen viel Arbeit gemacht: Alles musste ausgepackt werden – besonders spannend schien der Aquarellkasten zu sein, sie öffneten ihn mit spitzen behandschuhten Fingern, als wäre Strengstoff drin. Die Farbfläschchen im durchsichtigen Kosmetiketui verursachten auch einige Verwirrung. Zum Glück wurde nichts beschlagnahmt ;-)


Ich finde immer mehr Gefallen an Aquarell, an den wunderbar variablen ineinanderfließenden Farben, die der kleinsten Bleistiftskizze Leben einhauchen.
Mein Zeichenfüller hatte Probleme mit der Hitze und trocknete schnell aus. Im Schatten ging es besser.

Wer zeichnet nimmt die Umgebung anders wahr. Ich gucke genauer hin, achte auf Licht und Schatten, Perspektive und Farbstimmung und benenne das im Inneren. Dadurch bin ich vermutlich mehr im Jetzt als jemand, der vom Kreuzfahrtschiff stolpert, den Namen des Ortes kaum kennt und mit der Handykamera durch die Altstadt hetzt um "alles" zu sehen.
Ich habe versucht zu zeichnen was ich wahrnehme und nicht was ist. Ein Beispiel dafür ist das oberste Motiv (Blick von der Terrasse).
Im Fokus ist bei mir eindeutig das Meer in der Ferne und die Insel. Wenn ich das fotografiere, dann sieht man aber erstmal gaaaanz viele Häuser im Vordergrund – rechts stand sogar ein sehr hässliches Hochhaus – und irgendwo da drin auch ein kleines Dreieck vom Meer. Im Foto geht also das, was ich selbst wahrnehme komplett unter. Zeichnen zeigt hingegen meine Realität.